Was sind Meridiane?

Meridiane sind energetische Leitbahnen, durch die das Ki, die Lebensenergie, im Körper fließen kann. Meridiane existieren nicht in materieller Form, sondern über ihre energetische Funktion. Sie bilden Räume, in denen sich das Ki entfalten kann. Wenn das Ki gut im Meridianraum oder in der energetischen Leitbahn schwingen kann, entsteht Lebendigkeit. Sie stellen unterschiedliche Aspekte unserer Lebenskraft dar und sind Ausdruck unserer Vitalität.

Die Meridiane stellen ein Modell aus der chinesischen Philosophie dar und weisen bestimmte Qualitäten der fünf Wandlungsphasen auf. Den fünf Wandlungsphasen Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser sind jeweils zwei bzw. dem Feuer vier Meridiane zugeordnet. Bei jedem Meridianpaar gibt es einen Yin- und einen Yang-Meridian. Die Qualitäten der Meridiane beinhalten sowohl funktionelle als auch psychische Aspekte. Zu den Erdmeridianen gehören Milz und Magen für Nahrungsaufnahme und Verdauung. Hierbei geht es darum, unseren wahren Hunger zu erkennen und zu stillen. Die Meridiane der Wandlungsphase Metall sind Lunge und Dickdarm mit den Themen Aufnahme und Abgabe von Ki, Abgrenzung und Loslassen sowie Selbstwahrnehmung. Zum Wasser gehören Niere und Blase für Antrieb, Reinigung und Regenration. Der Holzenergie entsprechen Leber und Gallenblase, die für Planung und Entscheidung sowie Ausdruck des eigenen Lebensplans und unserer Kreativität zuständig sind. Zum Feuer gehören Herz und Dünndarm mit den Themen Interpretation, Integration und Assimilation von äußeren Informationen in unser emotionales Zentrum sowie Herz-Kreislauf und Dreifacher Erwärmer für Schutz, Zirkulation und Hinwendung zu anderen Menschen.

Im Shiatsu erfolgt die Behandlung meist entlang dieser Meridiane, damit das Ki möglichst ungehindert fließen kann. Manchmal kommt es zu Spannungen und Energiefülle (Jitsu) oder Leere (Kyo) im Verlauf der Meridiane. Durch Hand- und Daumendruck, Dehnungen und Rotationen wird versucht, Impulse zu setzen, um die Energie wieder ins Fließen zu bringen, und Selbstregulation bei der Klientin/dem Klienten zu aktivieren.

Was ist KI?

Japanisch Ki oder chinesisch Chi bedeutet Lebensenergie oder Lebenskraft, die sich in den Meridianen bewegt und unseren gesamten Körper durchströmt sowie uns umgibt. Es schwingt in der grobstofflichen sowie der feinstofflichen Materie. Je langsamer die Schwingung, desto dichter ist die Materie.

Das chinesische Schriftzeichen für Ki beinhaltet sowohl den Wortstamm Dampf als auch Reis. Das verdeutlicht, dass Ki wie Dampf nahezu unsichtbar sein oder sich verdichten und Gestalt annehmen kann wie die von Reis.
Ki ist ein Prinzip, das uns bewegt, wärmt und vor äußeren Einflüssen schützt. Es ermöglicht Veränderung auf körperlicher, geistiger und emotionaler Ebene.

Zur Erzeugung von Ki stehen uns drei Quellen, die sogenannten drei Brennräume, zur Verfügung. Der untere Brennraum beinhaltet vor allem das vererbte Ursprungs-Ki, das uns von Geburt an mitgegeben wurde. Im mittleren Brennraum wird Ki durch Nahrung erzeugt und im oberen Brennraum wird durch die Atmung das Ki der Luft aufgenommen.

Wenn das Ki ungehindert im Körper fließen kann, fühlen wir uns wohl und gesund. Wir befinden uns im Fluss mit der Lebensenergie und fühlen uns vital und in unserer Mitte, in Harmonie mit den Kräften in und um uns. Es kann aber auch in bestimmten Bereichen des Körpers oder eines Meridians zu einem Mangel oder einer Leere an Ki, einem sogenannten Kyo, oder einem Überschuss, Spannung oder einer Stagnation, einem sogenannten Jitsu, kommen. Hier versuchen wir durch Shiatsu, das Ki wieder in Bewegung und zum Fließen zu bringen oder bei Leere wieder aufzufüllen.

Ich pflege mein Ki indem ich versuche, regelmäßig und möglichst gute und frische Nahrungsmittel zu essen, ausreichend zu schlafen und Pausen zu machen sowie möglichst viel an der frischen Luft und in der Natur zu sein und mich zu bewegen. Das gelingt natürlich nicht durchgehend, es gibt immer mal wieder Zeiten, wo ein oder mehrere Bereiche zu kurz kommen. Dies zeigt sich dann schnell in Erkältungen, ein klares Zeichen, einen Gang zurück zu schalten und mehr für mich zu sorgen. Außerdem versuche ich mich und damit mein Ki regelmäßig zu bewegen in Form von Spaziergängen und tanzen sowie Yoga- und Pranayama (Atemübungen). Das Prinzip des indischen Prana, ebenfalls Lebensenergie oder Lebensatem, begleitet mich schon viele Jahre, seit ich Yoga praktiziere.

Die 5 Wandlungsphasen

Um einen Einblick in die Themen der 5 Wandlungsphasen zu geben, habe ich jeweils einige Fragen zu typischen Bereichen der Wandlungsphase gestellt und ihre besondere Kraft beschrieben. Vielleicht erkennen Sie Schwerpunkte oder Ungleichgewichte für sich, die wir in der Behandlung aufgreifen können.

Wie wichtig ist Bewegung in Ihrem Leben? Welche Arten von Bewegung mögen Sie?
Wie leben Sie Ihre Kreativität? Wie können Sie wachsen und sich entfalten, sich und Ihre Gefühle ausdrücken?
Was bedeuten für Sie Visionen und eigener Lebensplan? Wie gut können Sie Entscheidungen treffen und diese umsetzen?

Die besondere Kraft der Wandlungsphase Holz ist für mich die Entwicklung eines eigenen kreativen Lebensplans und die Fähigkeit, diesen auch umzusetzen, sich selbst und seine Gefühle auszudrücken. Dazu gehören Qualitäten wie Entscheidungsfreude und Durchsetzungsvermögen sowie Flexibilität.

Was begeistert Sie? Was bringt Sie zum Lachen und wie zeigen Sie Ihre Freude?
Wie fühlen Sie sich im Sommer und bei Hitze?
Wie wichtig sind Freundschaften, Liebe und Partnerschaft in Ihrem Leben?

Die besondere Kraft der Wandlungsphase Feuer liegt für mich im mutigen, lebendigen und manchmal übersprudelnden Ausdruck von Lebensfreude sowie im authentischen, selbstbewussten, stillen In-sich-, Im-eigenen-Herzen-Ruhen. Sich selbst und andere durch Ausstrahlung begeistern können, seinem Herzen folgen, sich und seine Talente zeigen und mit leuchtenden Augen das Leben mit allen Emotionen und allen Höhen und Tiefen leben.

Wie sorgen Sie für sich und Ihre Umgebung z. B. im Bereich Nahrung?
Wie fühlen Sie sich in Gesellschaft? Laden Sie gerne Menschen zu sich nach Hause ein?
Beschreiben Sie, was für Sie Sicherheit, Geborgenheit und Zentriertheit schafft.

Die besondere Kraft der Wandlungsphase Erde zeigt sich für mich vor allem im Nähren, durch Mitgefühl, Sich-Kümmern und Sorgen (nicht Grübeln) für andere und ganz wichtig auch für sich selbst.

Wie ordentlich und strukturiert sind Sie? Legen Sie Wert auf Rhythmus und Rituale?
Wie sind die Hautbeschaffenheit, Lunge und die Verdauung, gibt es Auffälligkeiten?
Wie schätzen Sie sich selbst in den Bereichen Kontakt und Kommunikation mit anderen ein, bezogen auf Nähe und Distanz sowie Klarheit?

Die besondere Kraft des Metalls liegt für mich in der Klarheit, in der Kommunikation und im Kontakt mit der Außenwelt. Hierbei sind wichtige Aspekte, Grenzen klar zu ziehen und für die Einhaltung zu sorgen. Außerdem eine übergeordnete Struktur zu erkennen und sich nicht zu sehr im Detail zu verlieren. Und Themen wie Abschied, Trauer und Loslassen, denen wir immer wieder begegnen, angemessen zu verarbeiten, um Raum für Neuanfänge zu schaffen.

Wieviel Raum haben Ruhe, Stille und Erholung in Ihrem Leben?
Gibt es Auffälligkeiten bei Zähnen, Knochen oder Rücken?
Wie zuversichtlich und vertrauensvoll sind Sie? Gibt es Ängste?

Die besondere Kraft der Wandlungsphase Wasser liegt für mich in der Ruhe, dem Vertrauen in den Fluss des Lebens, dem sich Vertiefen. Den wichtigen Lebensfragen auf den Grund gehen, den eigenen Sinn im Leben finden, vielleicht auch durch Spiritualität und Mystisches.

Yin und Yang

Yin und Yang sind zwei essentielle Begriffe aus der chinesischen Philosophie. Sie stehen für polar einander entgegengesetzte und dennoch aufeinander bezogene duale Kräfte oder Prinzipien, die sich ergänzen. Das alte chinesische Symbol, in dem das weiße Yang und das schwarze Yin gegenüberstehend dargestellt werden, symbolisiert stetige Veränderung. Wenn Yin am stärksten ist, trägt es bereits den Kern des Yang in sich und umgekehrt. Das Prinzip von Yin und Yang ist, dass alles was existiert, ein Gegenstück oder eine Kehrseite hat. Yin und Yang beziehen sich aufeinander, ergänzen sich und wären ohne einander unvollständig.

Beide Anteile sind nötig und wichtig und befinden sich in der Natur und auch im Körper bestenfalls im Ausgleich. Yang-Aktivität ohne Yin-Ruhe erschöpft uns und verpufft, wohingegen Yin-Ruhe ohne Yang-Aktivität wirkungslos bleibt.

Bezogen auf Shiatsu kann ich bei Klientinnen und Klienten mit mehr Yang-Anteilen versuchen, die Yin Meridiane zu stärken und bevorzugt zu behandeln und andersrum. Außerdem berücksichtige ich den Yin- oder Yang-Anteil einer Klientin/eines Klienten auch, indem ich z. B. bei viel Yin mehr Decken zum Wärmen anbiete oder mehr Zeit zum Nachspüren lasse.
Yin und Yang finden sich auch in den Meridianpaaren und in den Wandlungsphasen wieder, z. B. im Feuer als Großes Yang und im Wasser als Großes Yin, Holz stellt das kleine Yang und Metall das kleine Yin dar und die Erde ist das neutrale, ausgleichende Element.

  • YIN
  • Weibliches Prinzip
  • Dunkel
  • Kalt
  • Passiv
  • Ruhe
  • Nacht
  • Winter
  • Wasser
  • Leise
  • Langsam
  • Innen
  • YANG
  • Männliches Prinzip
  • Hell
  • Warm
  • Aktiv
  • Aktivität
  • Tag
  • Sommer
  • Feuer
  • Laut
  • Schnell
  • Aussen